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29.09.2022

Ausbau der Erneuerbaren Energien durch Insolvenzen in der Lieferkette gefährdet

Am Dienstag, den 27. September 2022, eröffnet Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die Messe WindEnergy 2022 in Hamburg mit den Worten „Die Bedeutung der Windenergie und der Ausbau Erneuerbarer Energien insgesamt ist heute dringlicher und wichtiger denn je“. Am selben Tag gibt das Amtsgericht Kaiserslautern dem Insolvenzantrag der Heger Gruppe, die sich auf Komponenten für Windkraftanlagen spezialisiert hat, statt. Wie passt das zusammen? Das Verbindende Element heißt Energie.

Vor zwanzig Jahren stieg das Familienunternehmen HegerGuss in die Produktion von Guss für Windkraftanlagen ein. „Mit dem Ausbau der Windkraft tat sich plötzlich eine gute Chance für seriell gefertigten Handformguss auf. Wir haben in diesem neuen Markt ein großes Potenzial gesehen“ so Geschäftsführer Johannes Heger. Zuletzt wurde die Gruppe, um die eigenständige Gießerei HegerFerrit in Sembach erweitert, in der serienmäßig Gusskomponenten in der Gewichtsklasse bis zu 30 Tonnen, insbesondere für Windkraftanlagen, produziert werden können. Doch seit dem Spätsommer gehen kaum noch Aufträge für eben jene Windkraftanlagen bei der Heger Gruppe ein. „Zwar sind politisch alle Weichen gestellt, aber die Genehmigungssituation in Deutschland ist eine andere“, erklärt Heger. „Handeln hört nicht auf, wenn es in der Zeitung steht, sondern wenn es gemacht ist.“

Der Grund für den Insolvenzantrag der Firmengruppe mit 120-jähriger Tradition sind aber nicht allein die ausbleibenden Aufträge, sondern vor allem die explodierenden Energiekosten. Allein die Stromkosten haben sich schon in den letzten Monaten versiebenfacht und das ist nicht das Ende der Entwicklung. Diese Steigerung kann das Unternehmen nur in geringem Maße an die Kunden weitergeben. Zwar signalisiert die Bundesregierung Verständnis für die energieintensiven Unternehmen und verspricht Hilfsmaßnahmen doch angekommen ist davon bei den Firmen bisher nichts. Ein Industriestrompreis oder Finanzhilfsmittel, die erst in mehreren Monaten wirksam werden, nutzen der Heger Gruppe wenig. Mit der Insolvenz in Eigenverwaltung zieht Johannes Heger die Reißleine. Ziel ist es, das Unternehmen zu sanieren und nachhaltig wettbewerbsfähig aufzustellen. Gelingt dies nicht, verliert Deutschland ein weiteres Unternehmen, dass dringend in der Lieferkette für die Energiewende benötigt wird.

Wie der Heger Gruppe geht es auch anderen Gießereien in Deutschland. Wie der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) seit Beginn des Jahres anmahnt, wurden bereits die ersten Insolvenzverfahren angemeldet und einzelne Betriebe sogar geschlossen. „Wenn Herr Habeck fordert, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien in unserem Land deutlich beschleunigt werden muss, dann muss die Politik jetzt sofort durch konkrete und schnell wirksame Maßnahmen dafür sorgen, dass auch noch Unternehmen in Deutschland vorhanden sind, um Komponenten für Windkraftanlagen und Co. zu produzieren“, fordert Max Schumacher, Hauptgeschäftsführer des BDG. Der Verband appelliert seit Monaten an die Politik einen Industriestrompreis bzw. einen Energiepreisedeckel als kurzfristige Maßnahme zur Entlastung der energieintensiven Gießerei-industrie einzusetzen. Schumacher fordert Taten: „Zeit, um weiter über Maßnahmen zu diskutieren, haben die deutschen Mittelständlern nicht mehr. Jetzt ist die Zeit zum Handeln“.

www.guss.de

Schlagworte

GussLieferketteMesseProduktion

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