
Aus Sicht des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) kann Deutschland bei der Energiewende enorme Kosten einsparen. Die Studie „Energiewende auf Kurs bringen“ findet insgesamt 20 Hebel für entsprechende Strukturreformen.
Durch eine effizientere Umsetzung der Energiewende könnte Deutschland bis 2035 mehr als 300 Milliarden Euro an Investitionen einsparen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). In der Studie „Energiewende auf Kurs bringen“ heißt es, die Stromkosten für Verbraucher könnten so um bis zu ein Fünftel sinken.
Vor allem die deutsche Industrie beklagt seit langem die im internationalen Vergleich hohen Energiepreise. „Mit besserer Koordination und Planung könnte die Energiewende in den nächsten zehn Jahren mehr als 20 Prozent günstiger werden – bei gleichzeitig sinkenden Emissionen“, betont Jens Burchardt, Partner bei der BCG und Co-Autor der Studie.
BDI fordert bessere und kostengünstigere Planung
Einen konkreten Hebel sieht die Studie zum Beispiel in der Vermeidung hochpreisiger Erdkabel beim Ausbau der Stromnetze. „Die bisher extrem ambitionierten und teuren Planungen müssen an aktuelle Nachfrage- und Kostenentwicklungen angepasst werden“, meint Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI. Seit 2016 gilt ein Erdkabelvorrang für große Stromautobahnen. Er war von der damaligen Koalition aus Union und SPD eingeführt worden, um die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Netzausbau zu erhöhen.
Auch den frühzeitigen Einsatz von grünem Wasserstoff gilt es laut Studie zu überdenken. Stattdessen sollten „andere und absehbar kostengünstigere Lösungen“ wie Batterien, biogene Energieträger und Carbon Capture and Storage (CCS) ermöglicht werden. Zudem müsse die die Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Gebäudewärme beschleunigt werden, um die bereits getätigten Investitionen in das Stromsystem besser auszulasten.
Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken. Bis 2045 will man hierzulande klimaneutral sein – also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen, als wieder gespeichert werden können.
Die gesamte Studie ist beim BDI frei zugänglich.
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